Wir gratulieren Ferdi Kreidl zum 1. Platz!

erzählt von Ferdinand Kreidl:

Wieder eine Abenteuerveranstaltung, die Ihresgleichen sucht. Wir vom Land sagen dazu „grampert“.

Zur Teilnahme überredet hat mich Martin Steinbichler, der in einer etwas verrückten Idee die RallyAlbania zu seiner ersten Rally auserkoren hat: „ich habe noch Platz für ein Motorrad im Anhänger, wenn du willst nehme ich deines mit nach Tirana“ – naja, wenn das so leicht geht!? …und schon habe ich mich angemeldet.

Anreise

Simpel mit dem Flugzeug inklusive Motorradtaxi vom Flughafen ins Bivouc. Der Fahrer hat die Sicherheitsanforderung nicht ganz erfüllt: Jesusschlapfen und Shirt.

Der Tag vor dem Donner

Dieser war sehr kurz, da ich erst Samstag um 16Uhr in Tirana ankam, noch schnell die administrative und technische Abnahme erledigen musste und das Rennen schon am Sonntag mit dem Prolog los ging.

Das Motorrad

Erstmals in Albanien mit meiner KTM 450 EXC BJ 2015 – 2016 und 2017 bin ich immer mit meiner KTM 690 Rally angetreten. Und es hat sich ausgezahlt mit einer Enduro zu starten – schließlich fahren alle Favoriten mit einer leichten Enduro in diesem Gelände.

Zusatzausstattung:

  • 15 Liter Tank
  • Navigationstower
  • Werkzeugtasche am Heck mit Schalt- Kupplungs- und Bremshebel, Metallkleber, Sicherungen, Notrakete usw.

Das Rennen – niemals aufgeben

Der Prolog und auch die folgenden Tage hatten es wie immer in Albanien in sich. Schlamm, Felsen, sitzbanktiefe Wasserdurchfahrten, rutschige Steinstraßen, sinnflutartiger Regen, permanente Absturzgefahr in den Bergen, öffentlicher Verkehr in den Sonderprüfungen mit vielen beinahe Zusammenstößen und dieses Mal auch eine enorme Hitze.

Die Marathonstage von Dienstag auf Mittwoch war nicht nur fahrerisch ein Herausforderung. Grundsätzlich darf bei einer Marathonetappe Abends nichts am Motorrad repariert werden. Am Dienstag gab es aber zwei Servicepoints wo dies erlaubt war – nur eben zeitlich begrenzt: einer davon nach der letzten Sonderprüfung auf der Verbindung ins Ziel. Wir hatten als Zeitvorgabe eine Stunde. Wann man die Fahrzeit abzieht, bleibet noch ca. eine halbe Stunde für Arbeiten am Motorrad.

Die erste Sonderprüfung an diesem Tag lief sehr gut, aber nur bis Km 115 von 140: das Radlager am Hinterrad kettenseitig hat den Geist aufgegeben. Zuerst dachte ich aufgrund der massiven Vibrationen an einen Schaden am Getriebeausgangslager. Aber ein kurzer Check hat dann das Malheur zu Tage gebracht. Ich bin in der Hoffnung, dass das Lager hält, sehr schaumgebremst ins Ziel gefahren. Im Ziel der Sonderprüfung habe ich sofort Vasilis von Enduro-Greece angerufen, ob er zum Servicepoint in Elbasan zwischen erster und zweiter Sonderprüfung kommen kann!? – Ja möglich, aber hätte 3 Stunden gedauert. 4 Stunden Zeitvorgabe für diese Liason war großzügig, aber 150km in einer Stunden sind nicht möglich. Aufgeben – nein! Ich bin dann durch Elbasan „geeiert“ und habe bei der ersten Tankstelle mit Händen und Füßen nach einem Kugellager gefragt! Der nette Herr hat mich gestenreich zu einem Mopedhändler geschickt – der hatte schon ein Radlager, aber nicht die notwendige Dimension. Diese habe ich zwischenzeitlich bei Hannes Lukas/Rally4You in Österreich erfragt. Aber: Der Mopedhändler hatte eine Schreibstift, mit dem ich die Lagerdimension und eine Skizze von einem Kugellager auf den Tank gezeichnet habe.

So bin ich zu mehreren, teilweise sehr urigen, Werkstätten gefahren und siehe da: In der 5 „Servicestation“ hat der Mitarbeiter genickt und mir zu verstehen gegeben, dass er das Lager besorgen kann. Ich habe sofort das Rad ausgebaut und das Lager herausgeschlagen. Der Mitarbeiter ist zwischenzeitlich mit dem Fahrrad gestartet, um das Lager zu organisieren - endlose 15min hat das gedauert. Aber ich habe das Lager bekommen! Zwar ohne Simmering - aber natürlich sofort eingebaut. Die ganze Aktion hat 1,5 Stunden gedauert! Trotzdem habe ich es noch ohne Strafzeit zum Start der nächsten Sonderprüfung geschafft. Nur meine optische Brille ist dabei verloren gegangen. So hatte ich für den Rest der Woche nur mehr meine Motocrossbrille mit Optikclip, mit der ich dann auch im Auto nach Hause gefahren bin. Das gesamte Rad konnte ich dann noch zwischen der letzten Sonderprüfung und Ziel tauschen – ein weiterer Tag mit dem offenen Radlager wäre unmöglich gewesen.

Das Rennen ums Podium war immer ein Fight zwischen Boris Vlla, Marco Borsi, Andrea Cosentino und mir – wobei mit mir keiner gerechnet hat! ;)

Am Donnerstag Abend schien die Sache klar – Boris hatte genug Vorsprung auf mich, um es easy nach Hause zu bringen, Marco Borsi saß mir im Nacken. Aber am Freitag ist es passiert: Boris ist taktischerweise hinter mir gefahren, hat einen Spalt im Track übersehen und ist 50m abgestürzt (wer auf Facebook ist, sollte sich das ansehen - sagt alles über das Rennen aus) und ist somit ausgeschieden. Ich hatte dann gut 6 Minuten Vorsprung auf den ehemaligen Profirennfahrer Marco Borsi und 20 Minuten auf den 5fachen Sieger der Albanienrally Andrea Cosentino.

Um kein Risiko wegen Unkonzentriertheit einzugehen, habe ich auch beim folgenden Epilog nichts anbrennen lassen und bin, wie die ganze Woche, sehr aggressiv gefahren. Nach 50km Sonderprüfung kam ich mit exakt einer Sekunde Rückstand auf Cosentino als Zweiter ins Ziel und konnte mir damit den Gesamtsieg holen. Sehr große Freude. Aufgrund meines Alters durfte ich so natürlich auch einen 2. Pokal für den Sieg in der Klasse M5 50+ mit nach Hause nehmen.

Im Ziel der Sonderprüfung hat mich Andrea gleich mal mit Bier geduscht. Bei der Rückkehr nach Tirana habe ich von Martin Steinbichler und Vasilis nochmals eine Champagnerdusche erhalten.

Was für ein Rennen: kaputtes Radlager, bei einem heftigen Sturz am 4 Tag den Tank fast durchgescheuert, Ico-Schalter abgebrochen, Zündungsdeckel musste ich mit Metallkleber flicken, jeden Tag einen Hinterreifen verheizt, sehr viele Verletzte, am letzte Tag ist der zweite Wegstreckenmesser 5km nach dem Start ausgefallen u.v.m…..

Vasilis (Enduro-Greece) hat mir netterweise jeden Tag mein Gepäck, Ersatzteile und Reserveräder transportiert und mir sämtliches Werkzeug zur Verfügung gestellt – repariert und Reifen gewechselt habe ich immer selbst.

Martin Steinbichler hatte leider am zweiten Tag einen heftigen Abgang und musste das Rennen beenden, seine Schulter und der rechte Oberarm haben mittlerweile die Farbe einer reifen Pflaume und die Untersuchung zuhause hat ergeben, dass er unters Messer muss: Gelenkkapsel eingerissen und Sehnen abgerissen – das ist der einzige, aber riesige Wehrmutstropfen der Rally Albania: diese Rally ist einfach very-very-very dangerous!

Was steht an?

  • Zuhause und erstmal nicht Moped fahren, aber schon am Montag nach der Rally eine Stunde zur Entspannung am Heimtrainer.
  • Trail fahren beim Enöckl Peter.
  • Motorrad reparieren, Tank beim Auner kaufen, Fahrwerk zu Haslacher bringen.
  • Kondition trainieren: Rad, Berg, Inlineskates
  • Und dann die Serres Rally Ende August!

Fotos

Wie immer zur freien Verwendung, Actiongraphers und eigene Bilder

Never give up – if you want to finish first, you have to finish first!